Tage in Bardou

Eine nostalgische Betrachtung

1970

In uns Jugendlichen in Berlin, lag damals eine Art Aufbruchstimmung. Man fühlte sich zu etwas Neuem gerufen, daß zwar gefühlsmäßig erfaßbar, aber geistig nicht deutlich artikulierbar war. Die Studenten gingen auf die Straße. Wir andern legten uns auf der Freitreppe der Gedächtniskirche in Berlin - langhaarig und tatenlos - in die Sonne und ergötzten uns an den empörten Gesichtern der zur Arbeit hastenden Menge. Auch eine Art Protest gegen die Routine des Bürgertums, deren Fängen wir zu entfliehen suchten.

Doch auf die Dauer genügte diese Art von Protest nicht. Ich spürte man mußte sich für etwas entscheiden. Ein unbefriedigtes Gefühl begann sich bemerkbar zu machen und ich begann meine Suche. Bardou war einer meiner Anknüpfungspunkte, wo man insich gehen und sich besinnen konnte, gemeinsam mit Freunden und Gesinnungsgenossen. Das einzige das uns wieder in die Realität zurückrief, war der dauernd sich schmerzhaft bemerkbar machende Geldmangel. Nur allzuschnell waren die Reserven aufgebraucht und schließlich mußte man auch dieses Paradies bezahlen. Das Dorf lag hoch und ziemlich unzugänglich. Es mußte eine lange, stetig ansteigende Straße erklommen werden. Wobei es ansich nur ein steiniger Weg war, mit scharfen Kurven und steil abfallenden Abgründen. Rechts und Links begleiteten uns die Eßkastanien der südlichen Landschaft.

Bardou, ein verlassenes Bergbauerndorf im Süden Frankreichs, das durch seine verfallenden Häuser der Romantik freies Spiel bot, war in diesen Jahren um 1970 ein Geheimtip für avantgardistisch veranlagte Leute, die sich aus Studenten und Gammlern zusammensetzten, wobei der Hauptanteil bei den Deutschen und Franzosen lag. Es gab kein Strom und Licht nur vom offenen Kaminfeuer oder aus der Propangasflasche. Kerzen taten es natürlich auch. Gespenstisch wirkte das Dorf in der Nacht. Ich mochte nie gerne allein sein um diese Zeit.

Tagsüber brannte die südliche Sonne vom Himmel und erwärmte uns mit ihren üppigen Strahlen. Der Sommer brachte den Geruch von blühenden Gingster aus den umliegenden Bergen und wenn Joseph mal mit der Flöte irgendwo versteckt auf den Abhängen spielte, war Arkadien plötzlich sehr nahe. Es sei denn die aufgeschreckten Gänse vom Hausherrn fingen laut an zu schnattern und störten den himmlischen Frieden.

Klaus und Jeanne, zwei stille ruhige bescheiden wirkende Menschen, bewirtschafteten dieses Dorf und hatten sich hier einen Traum erfüllt, der langsam aber stetig im Laufe der Jahre Gestalt annahm. Sie liebten die jungen Künstler der nahen Städte Beziers und Mons la Trivalle und luden sie oft zum Gastspiel und zur Ausstellung ein. Musik und Malerei waren die Themen der Saison. Wir anderen kundeten die Gegend aus oder badeten im entfernteren Wasserreservoir oder in den wild gelegenen Bächen. Die Abende waren bestimmt von Wein, Geselligkeit und Gesprächen am Feuer.

Hier nun einige Fotos:

In der Bar (Mark, Yossi, Moi
Sammy mit Mutter, rechts Moi
Lustig sind wir
Unsere französischen Freunde
Ein galanter junger Mann (Moi)
Klaus und Jeanne
Gasse in Bardou
Star von Bardou
Idylle a la Bardou
Bardou von oben
Bardou seitwärts
Bardou Pittoresk
Rolf im Gras
home || zurück  

© Webside Literaturen