Hymne an Brahman


OM Es gibt allein Brahman, das Eine ohne ein Zweites. Sein und Nichtsein sind seine Formen und es ist auch jenseits von Sein und Nichtsein. Es gibt außer Jenem nichts anderes. Alles das in den drei Zeiten enthalten ist und alles das jenseits der drei Zeiten liegt, ist wirklich allein das Eine Brahman. Was immer im Universum ist, - klein oder groß, edel oder verworfen, das ist Brahman allein, Brahman allein. Auch die Welt ist Brahman. Sie ist wahr und nicht falsch.

Das allein ist das Transzendente Wesen, jenseits aller drei Zeiten, jenseits aller Welten und alle Welten durchdringend, jenseits des Seins und jenseits des Nichtseins; Allsein, Allbewußtsein, Allwonne, - ohne Anfang und Ende, das ewige Göttliche.

Er ist ohne Eigenschaften und unterstützt alle Eigenschaften. Er hat Eigenschaften, unendliche Eigenschaften und erfreut sich des Zustands ohne Eigenschaften. Er transzendiert selbst den Zustand ohne Eigenschaften und den Zustand mit Eigenschaften. Er ist weder ohne Eigenschaften, noch mit Eigenschaften, denn er ist Eines und Einzig.

Er ist jenseits der Welten, jedoch erhält Er die Welten. Er wird zu den Welten und tritt in sie ein. Er transzendiert die Zeit und wird zur Zeit. Unendlich, erscheint Er als Endliches. Eines, wird Er zu Vielen. Formlos, wird Er zur Form. Er vollbringt dies alles durch seine Bewußtseinskraft, die aus Wissen und Unwissen besteht.

Erselbst ist weder Erhalter noch Gehaltener, weder Unendlich noch Endlich, weder Eines noch Vieles, weder Formlos noch Geformt, denn Er ist Eines und Einzig.

Alles dies sind jedoch nur Namen; das was Einssein genannt und das was Vielheit genannt wird, das was Unendlich und das was Endlich genannt wird, - all diese Namen leuchten wirklich in der Welt, dessen reines Selbst Bewußtsein ist und welches allein aus Bewußtsein besteht auf.

OM (das dreifache Brahman, das nach außen Schauende, das Innere oder Subtile, und der überbewußte kausale Puruscha), Tat (das Absolute), Sat (das Höchste und universale Sein in seinem Prinzip). Und das was Existenz ist, das gleiche ist auch Bewußtsein. Die Welt, aus Bewußtsein beschaffen, leuchtet im Spirit, der Bewußtsein ist. Es ist das wirkliche Licht des Wirklichen Göttlichen.

So wie die Reflexion der Sonne im ruhigen Wasser eine ist, ist sie im ruhelosen Wasser unzählig; wirklich ist die Sonne, wirklich die Reflexion, das wirkliche Licht der wirklichen Sonne, es ist kein Traum, sondern das Licht einer Wirklichkeit. Oder wie das Licht der Sonne, die Sonnenwelt mit seiner Kraft erfüllend, zu wandern scheint; das Licht ist wirklich, der wirkliche Glanz der wirklichen Sonne, es gibt kein falsches Scheinen, sondern einen wirklichen Glanz einer Wirklichkeit. Oder wie die flammende Sonnenscheibe nicht die Sonne selbst ist, sondern nur die materielle Form das Sonnige der Sonne unserem Wissen manifestiert, welches vom materiellen Wesen abhängig ist, ist die Sonne jenseits dieser Form; wirklich ist die Sonne, wirklich die Form in der Gestalt der Scheibe, nicht illusorisch, sondern das wirkliche Licht einer Realität.

Ähnlich ist hier das Welten-Brahman das wahre Licht des Göttlichen und kein Traum, noch Illusion, noch ein falsches Scheinen. Es ist das wirkliche Licht der Realität; nicht das Göttliche in ihr, sondern nur immer Erselbst. Dies ist die höchste Maya, dies ist die Größe des Yoga vom mysteriösen Herrn des Yoga, - Schri Krischna. Dies ist sein wonnevolles Spiel (Lila) mit seiner Bewußtseinskraft, dies ist das unvorstellbare Wirken des Allerhöchsten.

All dies ist phänomenal wahr, aber in Wirklichkeit falsch - dies zur Befriedigung des Geistes; aber zum umfassenderen Wissen muß gesagt werden, daß es nichts Unwirkliches im wirklichen Brahman gibt.

Was sich somit manifestiert, ist immer allein die Weltenwonne.

OM (das dreifache Brahman, das nach außen Schauende, das Innere oder Subtile und der überbewußte kausale Puruscha), Tat (das Absolute), Sat (das höchste und universale Sein im Prinzip). Und das was Existenz ist, dasselbe ist auch Bewußtsein und das was Bewußtsein ist, dasselbe ist auch Wonne. Und das was wonnelos erscheint, wie Leiden und Schwäche und Unwissenheit, ist die Verunstaltung dieser Wonne, das Spiel der Wonne.

Das was der Jiva in der Aktion ist (die individuelle Seele), ist das Allwonnevolle Göttliche in der Verkleidung herabsteigend, um sich am selbst-leuchtenden Welten-Brahman zu erfreuen. Das was die Erfahrung des Leidens ist, ist eine von der Wonne gemachte Erfahrung. Der Allwonnevolle erfreut sich nur an seiner Wonne.

Wer könnte es wirklich wagen, sich an dem zu erfreuen, das ohne Wonne ist? Nur der könnte es wagen, der Allwonnevoll ist. Für den der ohne Wonne ist, der würde beim Genießen des Wonnelosen indessen nicht genießen, sondern eher wonnelos umkommen. Wer kann schwach werden? Nur der, der Allmächtig ist. Der Schwache von Schwäche durchdrungen, könnte nicht wirklich bestehen, sondern würde ohne Kraft umkommen. Wer könnte in die Unwissenheit eintreten? Nur der, der Allwissend ist könnte es. Bezüglich des Unwissenden, er könnte nicht in dieser Dunkelheit bestehen, Nichtsein würde nur Nichtsein bleiben. Es würde ohne Wissen umkommen. Unwissenheit ist das Spiel des Wissens, sichselbst in sichselbst verbergend. Schwäche ist das Spiel der Macht, Wonnelosigkeit das Spiel der Wonne, das Verbergen von sichselbst in sichselbst.

Wonnig lacht der Jiva, weint wonnig, vergießt wonnig Tränen, erbebt wonnig als ob in dunklem Ananda erstrahlend, erbebt wonnig von Qualen geschüttelt; von gewaltsamen Freuden geschüttelt. Zum vollen Genuß des dunklen unwissenden Teils vom Ananda, verbirgt er (der Jiva) es, - düster und unwissend werdend.

Unwissenheit ist die Wurzel jener Idee, daß ich ja endlich bin und deshalb unfähig, schwach und bekümmert. Ich muß mit Mühe Handeln, Wissen und Erreichen, - auf Kosten der Energie, Sterblichkeit auf sich ziehend. Du bist das, ich bin dies; das was du bist, bin ich nicht; das was für dich gut ist, ist für mich schlecht; ich verliere durch das, durch das du gewinnst; ich werde nur dann froh sein, wenn ich dich töte. Ich bin keinesfalls so begeistert und erfreut, daß ich dich durch mein eigenes Leiden, durch mein eigenes Verlieren und durch meinen Tod, usw. glücklich machen könnte. Das ist die Form des Unwissens im Geist.

Das Ego ist in der Tat sein Same. Durch die Befreiung vom Ego, ist man von Unwissenheit befreit. Durch die Befreiung von der Unwissenheit, ist man vom Leiden befreit. Wissend, daß ich Allwonnevoll bin, ich Er bin, ich Eins bin, ich Unendlich bin, ich Alles bin, wird man Allfreudevoll, wird man ein Wesen voller Wonne.

Dies ist wirkliche Befreiung. Befreit, genießt er den Genuß von Allen; auf unendliche Weise alle Freuden genießend, ist er vom Endlichen nicht getrennt; Endliches genießend, entbehrt er das Unendliche nicht. Er ist Eins und er wird zu Vielen. Er ist wahrhaftig Ungeboren und so als ob Geboren. Auch Geboren ist Er nicht Geboren, nicht begrenzt. Er hat keine Geburt. "Ich das Selbst, enthülle das Selbst, durch das Selbst im Selbst." - durch dieses Wissen befreit, genießt man das Spiel.

Denn die Welt ist tatsächlich Lila (Spiel). Er ist vor Freude verspielt geworden. Deshalb beteiligt euch am Spiel, oh Söhne der Wonne ! Eins geworden, spielt. Erfreut euch der Wonne. Habt ihr den Einen erfreulichen Göttlichen erlangt, erfreut euch an Ihm in allen Wesen.

Vom Göttlichen dazu befohlen, werde ich in der Tat die Wonne auslegen. Laßt die Wonne sich manifestieren, die Dunkelheit entfernend, oh Söhne der Wonne, oh Söhne der Wonne!

Schri Aurobindo

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Nachwort: Dies ist eine sehr ermutigende Aussage, die uns auffordert, Schwäche und Kleinheit abzulegen und Das oder Den zu finden, durch das dieses Universum zu einem wahrhaftigen Spielplatz wird. Allem in diesem Universum liegt diese geheime Freude, das Ananda, das Entzücken, zugrunde; - auch im Leiden. Diejenigen die leiden, sind im tiefsten Grund ihres Herzens ins Leiden verliebt. Ohne dieses geheime Entzücken könnte niemand leben. Das ist die Aussage dieser Hymne.
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